Janis Günther als „Ik Senanda“
Im Gespräch mit Janis….
Nach einem Jahr Pause bei den Karl-May-Spielen in Pullman City kehrt er zurück auf die große Freilichtbühne: Janis Günther. Bereits zwei Jahre in Folge verkörperte er den Bösewicht – und auch in dieser Saison übernimmt er eine vielschichtige Rolle. Als Ik Senanda „Böse Schlange“, spielt er das Halbblut und den Enkel des Häuptlings Tokvi-Kava. Eine Figur auf der Suche nach Anerkennung, innerlich zerrissen zwischen zwei Welten. Rot oder Weiß? Gut oder Böse? Ik Senanda steht zwischen den Fronten – und genau das macht ihn so spannend.
Howdy Janis,
schön, dass du wieder zurück in Pullman City bist! Worauf freust du dich am meisten, wieder hier zu sein?
Ich freue mich riesig, wieder hier zu sein – es ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Besonders freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Mike Dietrich, dem Ensemble und all den Menschen, die ich über die Jahre hier kennenlernen durfte. Gleichzeitig ist es schön, wieder auf das Stammpublikum zu treffen, das Pullman City so treu ist – und natürlich auch auf neue Gesichter.
Inhaltlich reizt mich vor allem das Stück und meine Rolle: Ik Senanda ist unglaublich vielschichtig, innerlich zerrissen und dadurch aktueller denn je. Dieses Spannungsfeld zwischen zwei Welten zu spielen, macht für mich den besonderen Reiz aus.
Und ganz ehrlich: Ich freue mich auch darauf, in meiner Freizeit wieder ganz selbstverständlich mit Cowboyhut rumlaufen zu können.
In dieser Saison: Stehst du eher auf der Seite der Guten – oder bleibst du „Team Bösewicht“?
Ich würde sagen: weder noch – und genau das macht die Rolle so spannend. Ik Senanda steht zwischen den Welten, zwischen Gut und Böse, und ist vor allem auf der Suche nach sich selbst und nach Anerkennung. Er trifft Entscheidungen, die man nicht immer gutheißen muss – aber vielleicht kann man sie verstehen. Am Ende soll der Zuschauer selbst entscheiden, auf welche Seite er ihn stellt. Eins kann ich aber versprechen: Ich mache Winnetou & Old Shatterhand das Leben nicht immer leicht.
Ik Senanda ist eine komplexe Figur. Worin liegt für dich die größte Herausforderung, diese Rolle zu verkörpern?
Für mich liegt die größte Herausforderung darin, Ik Senanda nicht nur als Abenteurerfigur zu spielen, sondern als Mensch mit einer Geschichte. Als Halbblut steht er zwischen zwei Welten – gehört zu beiden und gleichzeitig zu keiner ganz. Diese innere Spannung ist für mich der Kern der Figur.
Mich interessiert besonders, was hinter seinem Handeln steckt: Erfahrungen von Zweifel, Ablehnung oder dem Gefühl, nirgendwo ganz dazuzugehören. Auch wenn das im Stück nicht immer ausgesprochen wird, prägt genau das seine Entscheidungen.
Deshalb geht es mir nicht nur darum zu zeigen, was er tut, sondern auch warum. Vielleicht stellt sich das Publikum dann nicht nur die Frage nach richtig oder falsch, sondern auch: Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Und wie begegnest du dieser Herausforderung ganz konkret in deiner Vorbereitung?
Ich versuche, Ik Senanda zuerst als Menschen zu verstehen – nicht als „Bösewicht“. In meiner Vorbereitung beschäftige ich mich viel mit seiner Herkunft, seinem inneren Konflikt und der Frage, warum er so handelt, wie er handelt. Für mich ist wichtig, dass jede Entscheidung aus ihm heraus nachvollziehbar ist.
Ganz konkret arbeite ich viel über Körperlichkeit und Haltung, aber auch über innere Bilder und klare Motivationen in jeder Szene. Gleichzeitig hilft mir die enge Zusammenarbeit mit der Regie und dem Ensemble, die Figur immer weiter zu schärfen und lebendig zu halten.
Hand aufs Herz: Wenn du auf der Bühne stehst, wirkt alles so leicht und selbstverständlich. Doch wie sieht es kurz vor dem Auftritt aus – hast du Lampenfieber?
Hand aufs Herz: Ja, ein bisschen Lampenfieber gehört für mich immer dazu. Aber eher im positiven Sinne – es hält mich wach, konzentriert und präsent. Kurz vor dem Auftritt versuche ich, bei mir und in der Figur anzukommen, mich zu fokussieren und die Energie aufzunehmen. Sobald ich dann auf der Bühne stehe, fällt die Nervosität ab und wandelt sich während der Vorstellung in Energie um, die ich nutzen kann.
Wenn ich ehrlich bin: Bei klassischen Theateraufführungen habe ich teilweise sogar ziemlich starkes Lampenfieber.
Beim Freilichttheater ist das anders – da fällt es mir unglaublich leicht, in die Geschichte einzutauchen. Ich muss als Spieler nichts „produzieren“, weil alles da ist: die Schüsse, die Explosionen, die Pferde, die Musik. Das trägt einen – und dann ist man einfach mittendrin.
Wird das Lampenfieber im Laufe der Saison weniger? Oder ist die letzte Vorstellung genauso aufregend wie die Premiere?
Ich glaube, das Lampenfieber verändert sich eher, als dass es weniger wird. Zur Premiere ist es natürlich besonders groß, weil alles neu ist und man noch nicht genau weiß, wie sich alles auf der Bühne anfühlt. Im Laufe der Saison kommt mehr Routine dazu – aber gleichzeitig wächst auch der Anspruch an sich selbst. Die Nervosität bleibt also, sie wird nur anders: fokussierter, kontrollierter. Und ganz ehrlich – auch die letzte Vorstellung hat nochmal ihren ganz eigenen Zauber und ist mindestens genauso aufregend wie die Premiere.
Wichtig ist aber: Routine oder Gleichgültigkeit dürfen nie aufkommen. Gerade auf einer Freilichtbühne muss man in jeder Vorstellung genauso fokussiert und konzentriert sein wie in der ersten – allein schon wegen des Verletzungsrisikos. Jeder, der Teil so einer Produktion ist, trägt Verantwortung für seine Kolleginnen und Kollegen.
Hast du ein bestimmtes Ritual vor einer Aufführung?
Ich habe kein festes Ritual im klassischen Sinne, aber ich nehme mir bewusst ein paar Minuten, um runterzukommen und bei mir anzukommen. Außerdem ist mir der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen wichtig – ein kurzer Blick, ein Wort, dieses gemeinsame „Wir gehen jetzt raus“.
Immer wieder dürfen wir dich als Akteur bei uns in Pullman City begrüßen, egal ob zu den Karl-May-Spielen oder in Halloween-Theatern. Was begeistert dich so an Pullman City?
Für mich ist es immer wieder schön, nach Pullman City zurückzukommen – hier hatte ich nach meinem Abschluss an der Schauspielschule mein erstes großes Engagement.
Was mich besonders begeistert, ist das Vertrauen, immer wieder so unterschiedliche Dinge machen zu dürfen. Für mich als Schauspieler ist es unglaublich wertvoll, einen Ort zu haben, an dem ich mich ausprobieren und verwirklichen kann. Bei den Karl-May-Spielen in der Zusammenarbeit mit Mike – und an Halloween mit dem Show-Team, wo ich auch an Texten mitschreiben und bei der Inszenierung mitwirken darf. Gerade das ist für mich ein Arbeiten auf Augenhöhe, bei dem ich mich wirklich als Teil des Ganzen fühle.
Ich habe hier jedes Mal das Gefühl, gesehen zu werden und mich einbringen zu können – und genau das ist für mich sehr, sehr wertvoll.
Und ganz ehrlich: Den ganzen Sommer im Cowboy-Outfit mit Hut und Colt durch eine Westernstadt laufen zu dürfen… wer kann da schon Nein sagen?
Ein Blick hinter die Kulissen – der private Janis
Welche Hobbys begleiten dich neben der Bühne?
Neben der Bühne bin ich gern in der Natur, aber genauso gern unter Menschen. Ich liebe tiefgründige Gespräche –kann aber genauso gut komplett albern werden. Ich mache viel Handwerkliches, arbeite gern mit Leder, werfe Messer und verbringe unglaublich gern Zeit mit Pferden und generell mit Tieren. Außerdem lese ich sehr viel – vor allem, wenn mich ein Stoff packt, lässt er mich nicht mehr los. Dann tauche ich komplett ein, beschäftige mich mit Hintergründen, verschiedenen Fassungen, historischen Kontexten – und komme davon nur schwer wieder los.
Worüber kannst du herzhaft lachen – und was bringt dich eher auf die Palme?
Ich kann vor allem über Situationskomik und ehrlichen, manchmal auch ziemlich absurden Humor lachen – am liebsten, wenn es im
richtigen Moment einfach eskaliert und alle sich gegenseitig anstecken.
Ich liebe es aber auch, mit Freunden über Situationen zu sprechen, die längst vorbei sind, und nochmal komplett in diese Momente einzutauchen. Dann überkommt es mich oft so, als wäre alles gerade erst passiert – und genau das mag ich total. Für mich sind es am Ende gar nicht Witze, die mich zum Lachen bringen, sondern die Menschen um mich herum und das Gefühl in diesem Moment.
Auf die Palme bringen mich Ungerechtigkeit, Respektlosigkeit und Unehrlichkeit – vor allem, wenn andere darunter leiden oder jemand keine Verantwortung übernimmt. Und auch Neid ist so ein Gefühl, mit dem ich schwer umgehen kann – ich merke das manchmal auch bei mir selbst, und genau deshalb mag ich es eigentlich überhaupt nicht.
Gibt es einen ganz persönlichen Lieblingsplatz in Pullman City? Vielleicht einen Ort, an dem du vor der Inszenierung Kraft tankst oder zur Ruhe kommst? Warum gerade dieser Ort?
Einen ganz konkreten Lieblingsplatz habe ich gar nicht – eher mehrere. Viele davon liegen etwas ruhiger, abseits vom Trubel. Im Authentik-Bereich zum Beispiel herrscht eine ganz besondere, fast schon greifbare Stimmung, die ich total mag.
Privat findet man mich aber wahrscheinlich am ehesten im Goldwaschcamp beim Kaffee – das ist für mich ein super idyllisches Plätzchen, gerade wenn es nicht zu voll ist.
Und wenn ich ehrlich bin, ist mein Lieblingsplatz am Ende doch die Bühne – weil dort einfach alles zusammenkommt. Da passiert genau das, wofür ich hier bin, und gleichzeitig schwingt so viel von dem mit, was ich in Pullman City schon alles erleben durfte.
Zum Abschluss gehört dir das Wort: Warum sollten unsere Leser sich „Das Halbblut – trügerisches Gold“ in diesem Jahr auf keinen Fall entgehen lassen?
„Das Halbblut – trügerisches Gold“ erzählt von Identität, Zugehörigkeit und inneren Kämpfen – Themen, die heute aktueller denn je sind. Dazu kommt natürlich alles, was Freilichttheater ausmacht: Action, Pferde, Stunts, große Bilder und Emotionen.
Und ich glaube, genau diese Mischung sorgt dafür, dass man nicht nur unterhalten wird, sondern auch etwas mit nach Hause nimmt.
Bilder Copyright:
@ Norbert josefsson - Schauspielerfotos
@ Karl May Stagepics -Störtebeker zu Fuß / Mokaschi zu Fuß
@Volker Schimd - Knox 2023 mit Pferd / Mokaschi 2024 mit Pferd
@Alinas Photography - Störtebeker 2025 mit Pferd









Mehr Artikel











