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27. September 2019Was für ein Team! (1/3)

Was wäre unsere Winnetou-Show ohne die Komparsen?

Wer genau aufpasst, sieht: Nichts bleibt dem Zufall überlassen, jeder hat einen Plan, eine eigene Rolle. Da wird geflirtet, gepokert und gemogelt. Geschäfte werden gemacht, Wände neu gestrichen. Es wird getrunken, getanzt und gesungen, gespielt, gerangelt, gekämpft und geschossen. Die Banditen stehen für das Böse, die Siedler beleben das Stadtbild, die Indianer verkörpern einen ganzen Stamm, der für das Gute kämpft. Normalerweise agieren sie alle im Hintergrund. Jetzt stellen wir sie in den Vordergrund.

Anita Schiermeier

„Im echten Leben bin ich kein leichtes Mädchen“, sagt Anita Schiermeier aus Thyrnau bei Passau, „aber durch das Kostüm kann ich mich leicht in die Rolle hineindenken“. Und noch etwas kommt der gelernten Altenpflegehelferin, die in Teilzeit mit Behinderten arbeitet, zu Gute: Ihre Bühnenerfahrung, auch mit Sprechrollen. „Ich spiele schon viele Jahre hobbymäßig Bauerntheater“, berichtet Anita, die gern über sich selbst lacht, „meistens hab ich eine Depperl-Rolle, das macht mir sehr Spaß.“ Das Schwierigste an ihrer jetzigen Rolle? Das Hineinzwängen in die enge Korsage. Dafür legt sich Anita in der Umkleide rücklings auf eine Bank und hält die Luft an, während eine Helferin die Ösen einhakt.

Martina Kluck

Wie gerne hätte Martina Kluck aus Waldkirchen schon in ihrer Jugend einen künstlerischen Weg eingeschlagen! Doch das Leben hatte anderes mit ihr vor. Sie wurde früh Mutter von vier Kindern, lernte Fremdsprachenkorrespondentin und unterrichtet heute an der VHS Englisch und Spanisch. Dafür genießt sie es jetzt um so mehr, bei Winnetou mit zu spielen. „Am liebsten mag ich die Szene, in der Winnetou seinen ersten Auftritt hat und zur bekannten Melodie einreitet“, erklärt Martina. In „Der Fluch des Goldes“ mimt sie in den Reihen der Stadtbewohner ein leichtes Mädchen. In Wirklichkeit fühlt sie sich mehr mit den Indianern verbunden.

Uschi Max

Wenn sie aus der Kutsche steigt, sind ihr alle Blicke sicher: Lady Jill ist eine waschechte Westernlady, die auf der Karl May-Bühne nach neuen Abenteuern sucht. Elegant flaniert sie durch die Straßen, flirtet mutig mit den Banditen – und auch beim Pokern mit Musiker Jochen hält sie sich längst nicht an alle Regeln. Uschi Max, wie sie im „echten Leben“ heißt, arbeitet in Pullman City in der Abteilung Gruppenevents und ist nebenbei noch Countrysängerin, Moderatorin und Hochzeitsplanerin. Was ihr an der Karl May-Show am besten gefällt? „Dass es soviel Action gibt. Mir gefallen die Schießereien und Explosionen.“ Wie gesagt: Diese Lady liebt das Abenteuer.

Angie und Norris Schönmüller

Sie sind mit den Winnetou-Filmen aufgewachsen, haben später die Original-Schauplätze in Kroatien besucht, beschäftigen sich schon länger mit der Lebensweise der Trapper und Indianer. Um bei „Winnetou und der Fluch des Goldes“ mitzuspielen, hätten Angie und Norris aus dem oberbayerischen Tittmoning wohl jede Komparsen-Rolle übernommen. Angie mimt eine Stadtbewohnerin und Saloon-Dame, Norris einen angriffslustigen Indianer. Seit 2003 kommen sie regelmäßig als Hobbyisten nach Pullman City. Früher brachten sie auch öfter ihre zwei Kinder (heute 20 und 23) mit. Was sie „draußen“ machen? Angie befüllt in Teilzeit Kaffeeautomaten. Norris ist im Knast: Als Schlossermeister im Jugendvollzug.

Tom Mangstl und Hanna

Wenn „Postbeamter“ Tom Mangstl (36) in der Show auf seine Taschenuhr schaut, ist klar: Gleich muss die Postkutsche kommen. Und egal, ob Banditen oder Indianer sich Pullman City nähern, Tom zieht den Revolver. Wie alle anderen „Verteidiger“ hat er dafür eigens eine Schulung für den Umgang mit Theaterwaffen absolviert. Denn eines ist klar: Die Sicherheit geht vor. Darauf hat Tom auch sonst ein Auge, schließlich ist der Eginger im Hauptjob Security-Mitarbeiter der Westernstadt. Bei der Karl May-Show mitzuspielen, macht ihm großen Spaß: „Das ist mal etwas anderes“, sagt Tom. Mit dabei ist auch seine Tochter Hanna (6). Sie spielt im Sand, winkt den Banditen und Indianern Goodbye – und wenn es gefährlich ist, verschwindet sie mit Mama Jenny hinter den Kulissen.

Jenny Weissinger

Ihre Idee war es nicht, mit zu spielen. Aber Töchterchen Hanna wollte unbedingt. Und weil es für die Kleine bei all der Action alleine nicht ganz ungefährlich wäre, hat sich ihre Mama Jenny Weissinger (26) aus Eging überreden lassen, Hanna an die Hand zu nehmen. Damit sie ihre roten Haare nicht zu färben braucht, setzt sie sich ein braves Häubchen auf, und auch das Piercing kommt raus für Winnetou. Das klingt schon nach ein paar Zugeständnissen, die Jenny für ihre Tochter macht. Aber ihr selbst gefällt es ja auch: „Das Team ist cool und mit Regisseur Mike macht es Spaß“, sagt Jenny. Und außerdem: In der Rolle des Banditenbosses spielt ja auch ihr Freund Stefan Wimmer mit. Zu dessen Bande gehört auch noch Jennys Bruder Nico. Die Mama sitzt im Publikum.

Joey und Flo

„Stadt belebt sich“ – das ist das einzige, was die Stadtbewohner für Szene 3 in Mike Dietrichs Textbuch lesen. Doch so knapp diese Regie-Anweisung ausfällt, so facettenreich füllen die Siedler von Pullman City ihre Rollen aus. Für einen absoluten Hingucker sorgen unsere Kutscher Joey und Flo. Sie fahren mit einer zweispännigen Kutsche ein, halten an und lassen zwei reisende Ladies aussteigen. Mit Pferden kennt sich Joey schon seit seiner Jugend aus.