Jetzt Übernachtung buchen »

4. Juni 2019Wie fühlt man sich als Winnetou?

Er war der erste brennende Bungee-Jumper der Welt, ritt mit einem brennenden Pferd durch eine vier Meter hohe Feuerwand. Doch sein Herz hängt an Winnetou: Ivica Zdravkovic (Jahrgang 1977) spielt die Hauptrolle in unserer neuen Karl May-Show „Der Fluch das Goldes“ – und das aus purer Leidenschaft. "Winnetou sagt die Wahrheit. Er hat keine übermenschlichen Kräfte, sucht mit dem Herzen nach Lösungen, opfert alles für den Frieden. Das bewundere ich“, sagt Ivi, wie ihn hier im Wilden Westen alle nennen. In der Karl-May Szene als Winnetou bekannt, machte er sich bereits 2018 mit dem Publikum und den Shows in Pullman City vertraut. Wir haben mit ihm über sein Leben und über Winnetou gesprochen.

Hauptdarsteller Ivica Zdravkovic im Interview

Ivi, du arbeitest in Pullman City – wie bereits zuvor – eng mit Regisseur Mike Dietrich zusammen. Wie kam es dazu, dass du „sein“ Winnetou wurdest?
Ich habe mich damals eigentlich für die Show beworben, um die Stunts zu managen. Das Casting für die Hauptrollen war schon gelaufen. Aber als Mike mein Foto sah, wollte er mich unbedingt noch kennenlernen. Ich bin hingefahren, stieg aus dem Auto aus – und da war es für Mike eigentlich schon klar, dass ich sein Winnetou sein soll. Er wollte noch, dass ich eine Textstelle laut lese. Ich sträubte mich erst, ich bin ja kein Schauspieler. Aber er bestand darauf und so las ich: „Winnetou’s Herz ist froh“. Weiter kam ich nicht, ich hatte die Rolle. Ich musste mir nur noch die Haare länger wachsen lassen. Meine zwei Kinder (12 und 14) haben sich riesig gefreut. Und ich freue mich riesig, dass meine Tochter Emily auf der Bühne als das Mädchen Mary an meiner Seite kämpft.

Wie entstand der Kontakt zu Pullman City?
Im Sommer 2017 war ich zu den Tagen der Indianer privat mit meinen Kindern hier. Wir alle drei waren komplett begeistert, die Kinder strahlten und wollten am liebsten gleich bleiben. Ich trug mein Winnetou-Outfit und bin wohl etwas aufgefallen. So kam ich mit Ursula Max alias Lady Jill ins Gespräch. Wir blieben in Kontakt – und im Jahr darauf fing ich hier im Showteam an. Mike Dietrich, wir sind befreundet, war auch gleich begeistert von der Westernstadt und den Leuten hier. So heckten wir mit den Geschäftsführern Claus Six und Ernst Grünberger die Idee für eine Winnetou-Show in Niederbayern aus.

Warum bist du damals Stuntman geworden?
Als ich mit neun Jahren vom ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland ins Sauerland kam, konnte ich kein Deutsch. Da meine Eltern zur Arbeit gingen und ich noch keine Freunde hatte, schaute ich viele Videos: Rocky, Rambo, Tarzan, Winnetou. So habe ich Deutsch gelernt. Und so hat sich meine Leidenschaft zum Film entwickelt. Ich wollte immer so sein wie die Männer im Film. Doch die Schauspielschulen und Shakespeare interessierten mich nicht. Schauspiel ist Kunst. Man muss es fühlen können. Es kommt von innen und nicht aus einem Buch oder Klassenzimmer. So fing ich erstmal eine Lehre als Dachdecker an. Als eine Stuntschule Nachwuchs suchte, brach ich sie ab und wurde Stuntman.

Wie fühlt es sich an, Winnetou „zu sein“?
Die Rolle zu bekommen war für mich das bedeutendste Ereignis nach der Geburt meiner Kinder. Ich habe ja nie eine Schauspielschule von innen gesehen. Ich kann Winnetou nicht spielen. Ich bin Winnetou, lebe Winnetou, fühle Winnetou.

Mittlerweile habt ihr die Show schon ein paar Mal gezeigt. Wie läuft es?
Es läuft sehr gut. Die Arbeit im Team macht mir sehr Spaß. Und es ist immer wieder faszinierend, wie sehr Winnetou die Menschen berührt. Sie sehen mich, erinnern sich an die Filme mit Pierre Briece, tauchen wieder in ihre Kindheit ein. Manche bekommen Gänsehaut und bedanken sich bei mir mit Tränen in den Augen. Ich sehe es als großes Geschenk, Winnetou sein zu dürfen. Mein Herz ist froh und diese Freude teile ich mit den Menschen.