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9. Januar 2019Das Bier aus dem Sack

Wenn man in einem Wirtshaus ein Bier bestellt, wird es meistens vom Fass gezapft. Bei uns kommt es aus einem riesigen, extra angefertigten Tank. Genauer gesagt: aus einem speziellen Getränke-Sack, in den nicht weniger als 1.000 Liter passen. Befüllt wird der Sack direkt aus dem Braukessel der Brauerei Hacklberg, ohne dass das Bier zentrifugiert wird und mit Kohlensäure in Berührung kommt. „Dadurch bekommen wir von der Brauerei so reines und gutes Bier wie sonst kaum eine Gastronomie“, schwärmt Stefan „Hoffe“ Hofmann (34).

Der studierte Betriebswirt ist der „Meister“ der neuen, computergesteuerten Schankanlagen in Music Hall, Saloon, Cantina Mexicana, Steakhouse und im Scarlett’s. Liebevoll nennt er sie „seine Babys“. Denn seit die Chefs vor drei Jahren erklärten, in möglichst moderne Anlagen investieren zu wollen, hat sich Hoffe reingefuchst in die Materie, ist zum Experten geworden – und zum absoluten Fan. Kein Wunder, denn die computergesteuerten Anlagen sparen nicht nur Zeit und Arbeit, sondern auch bares Geld.

"Der Gast bekommt, was er bezahlt. Nicht mehr und nicht weniger."

Sechs bis sieben Getränke kann man gleichzeitig herunterlassen. Die Ventile messen den Durchlauf, so dass exakt die programmierte Menge ausgegeben wird. „Der Gast bekommt, was er bezahlt. Nicht mehr und nicht weniger“, erklärt Hoffe, „und wir vermeiden dadurch Schankverlust, der sich bei unseren Mengen früher schon oft ziemlich geläppert hat.“

Durch das Zusammenspiel von Anlage und Kasse können die Bedienungen schnell und zuverlässig arbeiten. Selbst wenn es eilt, geht ihnen nichts „durch die Lappen“. Nur das, was sie in die Kasse eingetippt haben, gibt die Anlage auch aus. Den Schankkellnern bleiben etliche Handgriffe erspart, vor allem beim Aperol Spritz: Musste man früher für Wein, Wasser und Aperol drei verschiedene Flaschen öffnen, die Menge vorsichtig dosieren und alle Flaschen wieder schließen und verräumen, wird der Aperol heute von der Anlage gemischt – genau nach dem programmierten Rezept.

„Wir haben uns vor dem Kauf mehrere Anlagen angeschaut, aber als die Chefs gesehen haben, wie schnell diese Anlage den Aperol macht, sagten sie, das brauchen wir“, erzählt Hoffe begeistert. Alle Mix-Getränke sind mit Rezepturen hinterlegt, und alle verbrauchten Mengen werden automatisch vom Warenbestand abgebucht. Der Lagerbestand ist jederzeit über ein Display abrufbar. „Ich kann per Handy nachschauen, wie viele Desperados die Cantina Mexicana noch hat“, verdeutlicht Hoffe, der hier in Pullman City seinen Traumjob gefunden hat. Die Einführung der neuen Schankanlagen ist vor allem sein Werk. „Sie kosten ein Vermögen, aber nach zwei Jahren hat sich die Investition amortisiert“, erklärt er.

Früher hat Hoffe in der Piña Colada Bar selbst Cocktails gemixt und etliche rätselhafte Schnapsverluste erlebt. Heute genießt er es, im Sinne der Gäste und der Geschäftsführung stets den Überblick zu haben.

Übrigens: Die 1.000 Liter Bier aus dem Sack in Music Hall und Saloon reichen gerade mal für ein Wochenende. Noch mehr Durst haben die Leute beim alljährlichen US Car-Treffen. Da reichen nicht mal zwei Tanks.