Jetzt Übernachtung buchen »

16. Mai 2018Der Dudelsack lässt keinen kalt

Claymore Pipes & Drums spielen bei den Highland Games

Die Seile und Steine liegen schon bereit, die Highland Games stehen vor der Tür. Eröffnet werden sie am Samstag wie immer von den Claymore Pipes & Drums aus München. Die bis zu 25 Dudelsack- und Trommelspieler bringen eine gute Portion militärischen Drill in den Wilden Westen – doch vor allem ihre traditionelle schottische Musik. Den Besuchern steht regelmäßig die Ehrfurcht ins Gesicht geschrieben und eine Gänsehaut lässt sich kaum vermeiden. Wir haben mit Dr. Sven Borgas (52), dem 2. Vorsitzenden der Münchner Band, gesprochen.

Sven, was ist der Reiz am schottischen Dudelsack?
Dudelsack und Trommel zählen zu den ältesten Instrumenten der Menschheit. Mich faszinieren vor allem die Tradition und der besondere Sound des Dudelsacks. Man kann nur eine Oktave mit ihm spielen, und er ist sehr laut, daran kann man als Spieler nichts regeln. Die meisten Leute lieben Dudelsack-Musik, aber es gibt auch welche, denen ist sie zu laut. Also entweder man mag sie oder man kann sie nicht leiden. Kaltlassen tut sie keinen. Und wenn 20 Dudelsackspieler durch die Mainstreet ziehen, dann ist schon was geboten für die Ohren.

Ist es eigentlich schwer, das zu lernen?
Manche Leute denken, Dudelsack sei so einfach wie Blockflöte, aber da irren sie sich gewaltig. Der Dudelsack ist ein Holzblasinstrument, das aufwendig gestimmt werden muss und man braucht eine besondere Atemtechnik, die sehr anstrengend ist. Mit den Trommeln ist es ähnlich, dafür braucht man eigentlich eine klassische Trommelausbildung. Auf alle Fälle aber sollte man Noten lesen können.

Und was spielst du?
Ich spiele die große Bass-Trommel, mittlerweile seit über 30 Jahren. Mein älterer Bruder Einar ist der Drum Major, der an der Spitze der Gruppe voranmarschiert und das Tempo vorgibt. Dudelsack und Trommel sind ja ursprünglich Kriegsinstrumente, beim Marsch braucht es also Disziplin. Doch natürlich spielen wir auch ganz locker irische und schottische Folkmusik, abends auf der Bühne der Hudson Bay Taverne, zusammen mit Cajon, Djembe und Gitarre.

Wie bist du zur schottischen Musik gekommen?
Mein Vater war ein Hobbyist, der einen schottischen Einwanderer mimte. Einerseits wuchs ich damit auf, andererseits machte ich selbst Country Musik und spielte Waschbrett. Eines Tages war ich Gast auf einer schottischen Hochzeit, lernte dort die Munich City Pipe Band – so nannte sich unsere Band früher – kennen und fing Feuer. Sie bauten damals gerade die Trommler-Gruppe auf, und so stieß ich mit der Bass-Trommel zu ihnen. Das war 1987. Country Musik mache ich seitdem nicht mehr, aber durch meine Vorgeschichte haben wir eine starke Verbindung zu Pullman City. George Mc Fly und viele andere sind im Laufe der Jahre zu Freunden geworden. Wir lieben unseren Band-Ausflug zu den Highland Games sehr, genießen es, ein ganzes Wochenende zusammen Musik zu machen.

Die Anfänge der Formation gehen zurück ins Jahr 1976. Was hat sich seither getan?
Vor allem sind wir besser und mehr geworden. Inklusive Schüler haben wir ca. 40 aktive Mitglieder, Männer und Frauen zwischen 26 und 76 Jahren. Wir haben schon Rod Steward, Mike Oldfield und diesen Februar André Rieu begleitet. Bei den Trommelspielern bräuchten wir etwas Nachwuchs. Bei den Dudelsackspielern können wir uns da nicht beklagen. Die Leute kommen teilweise aus Landshut, Augsburg und dem Allgäu extra zur Probe. Es gibt nicht so viele Dudelsackbands in Deutschland. Wer Dudelsack in einer Band spielen will, fährt gerne ein paar Kilometer zur Probe. Das ist es den Leuten einfach wert.

Und Euren Fans genauso! Vielen Dank für das Interview, wir freuen uns schon sehr auf Euch!