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23. November 2017Black Leo lässt nicht locker

Schwarzes Haar, dunkler Teint, eisblaue Augen – Cowboy Leo fällt auf. Er war der erste Westernreiter, der vom Ostblock nach Deutschland ging. Er trainierte hart, trat vor bis zu 10.000 Menschen auf, wurde der beste Lassokünstler der Welt. Seit 30 Jahren ist Black Leo als Cowboy im Showgeschäft. Immer wieder trägt er Verletzungen davon. Doch unterkriegen lässt er sich nicht.

1987 begann Leo Holcknecht, in seiner Heimat im Böhmerwald mit dem Westernreiten. Er passte mit seinem Pferd auf Rinder auf, nahm an Wettbewerben auf der Messe Americana in Augsburg teil. Alles, was er dafür brauchte, erarbeitete er sich selbst – von den Pferden über die Ausrüstung und den Anhänger bis hin zum original amerikanischen Edelcowboy-Outfit. Daneben gründete er eine Familie, seine Kinder Sarka, Katka, Veronika und Dennis sind mittlerweile längst erwachsen, Dennis arbeitet ebenfalls in Pullman City.

Seit 2001 ist Leo Showman in Pullman City (zunächst im Harz), 2002 wurde er Weltmeister im Lassowerfen und sein größter Traum ging in Erfüllung. Der Erfolg trieb ihn weiter an. Jeden Winter bildete sich Leo bei Kursen in den USA weiter. Doch 2003 verletzte er sich bei einem Unfall die Schulter – von da an war der Schmerz sein ständiger Begleiter. Im Jahr darauf tourte er mit der Pferdeshow „Apassionata“ durch Europa. Gleichzeitig wurden trotz drei Operationen die Schulterschmerzen immer schlimmer.

2002 wurde er Weltmeister im Trickroping

2009 dann geht nichts mehr. Burnout. Raus aus dem Showbusiness. Nach Spanien. Auf einer Ranch in Andalusien gibt Leo Reitstunden, lebt ein entspanntes Leben. „Ich war der glücklichste Mensch der Welt“, erinnert sich Leo. Doch 2011, er liegt gerade am Pool, ruft Deddy an. „Kannst du kommen?“, fragt der damalige Showmanager von Pullman City. Die Westernstadt ist insolvent, neue Sheriffs nehmen die Zügel in die Hand. „Wir brauchen deine Hilfe für die Dekoration“, sagt Deddy. „Ich komme“, sagt Leo, „zu Besuch“.

Doch Leo bleibt länger und zeigt auch wieder seine Lasso-Shows. Beinahe acht Jahre sind es jetzt schon. „Ich mag die Leute, ich mag den Applaus“, sagt Leo, der auch den A-Trainer-Schein hat und weiterhin Reitkurse gibt. Pferde sind seine Leidenschaft. „Ich habe hunderte Pferde geritten, doch drei waren besonders wichtig in meinem Leben. New Leland, BH cocky is dun und Freckolena Smoky“, erzählt Leo und lacht verschmitzt, „mit den Pferden ist es wie mit den Frauen.“

Derzeit ist Leo gehandicapt und kann nicht reiten: „Dieses Knie macht mich wahnsinnig“, sagt der Cowboy ungeduldig. Aber Leo geht ins Fitness und nützt seine Zeit. In seiner Gallery in der Mainstreet malt er kunstvoll sämtliche Wegweiser und Restaurant-Beschriftungen der Westernstadt.

Oft geht man nur daran vorbei, nimmt die originalgetreue Kulisse als selbstverständlich wahr. Doch das ist sie nicht: In jedem Bild und jedem Schild steckt viel Liebe, Handwerk und Herzblut. Gut, dass er in Ilona eine talentierte Helferin und liebe Partnerin gefunden hat. Und bald kann Leo hoffentlich auch wieder reiten. Eines ist sicher: Das Publikum kann den Tag kaum erwarten.