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2. Juli 2017Harleys, Körperkult und ein Abschied mit ganz viel Gefühl

„Was? Ich stehe hier schon eineinhalb Stunden?“ fragt Jana ungläubig. „Nein, anstrengend ist es nicht. Die Farben kühlen so schön auf der Haut.“ Jana posiert – nur knapp bekleidet – in der Mainstreet und wird von Sprayer Tom in den Farben der amerikanischen Flagge besprüht. „Ja, man könnte schon flachere Schuhe anziehen, dann wäre es bequemer“, gibt Jana zu, „aber es sieht halt nicht so gut aus.“ Die Zuschauer beim Harley-Treffen in Pullman City verfolgten fasziniert das Bodypainting-Spektakel mit und fotografierten, was das Zeug hielt.
Der emotionale Höhepunkt des Harley-Treffens war jedoch der Auftritt von Sängerin Gitty Fischer, die nach 20 Jahren Abschied von der Bühne nahm, dort wo ihre Solo-Karriere begann – im Wilden Westen von Eging am See. „Es ist Zeit für mich zu gehn“, sang sie in ihrem letzten Lied, das sie am Tag zuvor noch für ihre Fans geschrieben hatte. Es lagen Abschiedsschmerz, Dankbarkeit und ganz viel Liebe drin, das spürten die Leute. Sie waren im Herzen berührt und feierten ihre Gitty gebührend. „Wir sind alle ganz still geworden“, sagt Event-Managerin Christina Wilhelm.

Mehr als 8000 Besucher feierten beim Harley-Treffen

Und das, obwohl insgesamt 1700 Bikes und mehr als 8000 Besucher beim Harley-Treffen gezählt wurden! Wieder einmal war es geprägt von der typischen guten und ausgelassenen Stimmung, die die Harley-Fahrer mit ihrer relaxten Art verbreiten. Das Wetter spielte überraschend perfekt mit: Nicht zu heiß und nicht zu kalt. Wolken und Sonne wechselten sich ab, der angesagte Regen blieb aus.
Freddy von Freddy's Chopper Shop in Freyung zeichnete die coolsten und heißesten Bikes mit Preisen aus, die Moderation der Bike-Prämierung übernahm Mane Strobl. Beste Unterhaltung garantierten die vielen Live Bands auf mehreren Bühnen, allen voran die italienische Gruppe „Cindy and the Rock History“.

Jan im Glück
Er raucht nicht, er trinkt nicht, im Gepäck hat er eine Tüte Trockenfrüchte. Doch den einen Luxus gönnt er sich: eine Harley V-Rod. „Manche würden nie so viel Geld ausgeben für ein Motorrad. Aber die verstehen nicht, was es für mich bedeutet“, sagt Jan Tracz aus Patersdorf (Lkrs. Regen). Als er 16 war, kaufte sich der gebürtige Pole in seiner damaligen Heimat Niederschlesien seine erste Harley: eine umgebaute Militär-Maschine aus dem zweiten Weltkrieg. Drei Jahre später heiratete Jan, gründete eine Familie. Die geliebte Harley wurde verkauft, Kühlschrank und Waschmaschine waren wichtiger. 1989 wanderte Jan mit seiner Frau und zwei Kindern nach Deutschland aus. Die jüngste Tochter kam zur Welt und Jan schuftete Tag und Nacht als Fliesenleger. So viel arbeitete er, dass sich der Job und die tägliche Fahrt nach München schon aufs Gemüt schlugen.
Doch mittlerweile sind die Kinder aus dem Haus, verdienen ihr Geld selbst – und schenkten ihrem Vater im März zum 60. Geburtstag einen Gutschein für eine Harley-Tour. „Ich bin nur 500 Meter gefahren, da wusste ich, ich brauche wieder eine Harley. Sie bedeutet für mich reine Glücksgefühle. Es ist jetzt wieder wie früher, als ich 17 war“, schwärmt Jan, strahlt über das ganze Gesicht und holt aus seiner Satteltasche ein kleines Album mit den Schwarz-Weiß-Fotos von damals: Er mit seinem Kumpel auf Tour in Budapest. 1973 war das. Heute, mehr als 40 Jahre später, genießt Jan, zum ersten Mal in Pullman City, seinen Samstag auf dem Harley-Treffen genauso wie die Tour damals nach Ungarn. Gegen den Durst hat er sich ein Radler gekauft. Hunger verspürt er nicht vor lauter Glück. „Man kann jeden Moment krank werden und niemand weiß, wie lang er lebt. Man muss das Leben genießen“, sagt Jan wie befreit – und macht sich zufrieden auf den Heimweg nach Patersdorf zu seiner Frau.

 

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Die schönsten Harleys wurden prämiert

Siegerehrung mit den sexy Showgirls

1700 Bikes fanden ihren Weg in die Westernstadt

Dispatch Skulls heizten den Besuchern ordentlich ein