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11. Mai 2015"Entweder gscheit oder gar nicht"

"Entweder gscheit oder gar nicht"

Das Raketendesign, der Sound des V8-Motors, die simple, große Technik, die einen alten Ami-Schlitten jederzeit reparierbar macht – das ist es, was den Hobbyschrauber Franz Gulin aus Aidenbach seit Jahrzehnten fasziniert.

Sein erster Ami war 1992 ein roter Ford, heute hat er in seiner Werkstatt "The Busted Knuckle Garage" einen Ford LTD II, Baujahr 1977, und einen Chrysler Plymoth Relian, Baujahr 1988, stehen, dazu ein umgebautes Motorrad im Bobber-Style. Kein Wunder, dass Franz Gulin Stammgast ist beim legendären Pullman City US Car-Treffen, das von Mittwoch bis Sonntag über die Bühne geht. Denn da steht neben den spektakulären Autos seine Lieblingsmusik im Mittelpunkt.

"Meine Werkstatt ist mein Wohnzimmer, und da läuft ständig Rockabilly. Es gibt nichts anderes", erklärt Franz, der sich auch beim Outfit an die 50er Jahre in Amerika hält. Er hat etliche Originalkleidungsstücke im Fundus, und die Greaser-Frisur trägt er seit den 80er Jahren. "Irgendwie hab´ ich damals meine erste Elvis-Tolle hingebracht. Dazu trug ich umgekrempelte Jeans und eine Lederjacke. Heute kann ja jeder herumlaufen wie er mag, aber damals ist man damit in Vilshofen schon ziemlich aufgefallen. Viele Leute haben mich zum Spaß mit 'Elvis' angesprochen", erzählt Franz. Er steht bis heute dazu und sagt: "entweder gescheit oder gar nicht."

Daran, wie ihn das 50er-Jahre- Fieber gepackt hat, erinnert er sich noch genau: "Das war Anfang der 80er Jahre. Ich bin mit dem Bus in die Schule gefahren und habe über Musik nachgedacht. Volkmusik gefiel mir nicht, das war klar. Da kam im Radio zufällig die Sendung Aus meiner Rocktasche. Ich war begeistert. Ein Schlüsselerlebnis. Ich wusste, das ist es, das ist mein Leben. Von da an habe ich jede Sendung auf Kassette aufgenommen und mich an alles geklammert, was mit den 50er Jahren in Amerika zusammen hing."

Die Musik der "Jets" berührt ihn besonders, "die ist handgemacht, hat einen guten Drive. Es ist eine ehrliche Musik", erklärt Franz, der immer mehr in die Rockabilly-Szene hineinwuchs, sich ein paar Jahre später den roten Ford kaufte und damit weit herumkam zu Konzerten und Rockabilly Meetings. "Wanda Jackson, Carl Perkins, Ted Herold – das war und ist meine Musik", sagt Franz, "die Lennerockers, die jetzt immer wieder in Eging spielen, hab ich 1986 zum ersten Mal live gesehen. Damals kannte sie noch keiner."

Neben Schallplatten, Autos und Motorrädern sammelt Franz Gulin auch Blechschilder aus den 50er Jahren. Um genügend Platz für seine großen und kleinen nostalgischen Lieblingsstücke zu haben, hatte der Anlagenführer bei einem Bremsenhersteller lange nach einem passenden Sacherl gesucht. Fündig wurde er vor 15 Jahren in der kleinen Ortschaft Köching in der Nähe von Aidenbach. Hier hat er seine 2000 Quadratmeter große Ami-Ranch mit 140 Quadratmetern Hobby-Werkstatt. Hier frönt er seiner Leidenschaft, dem Schrauben und der Musik, die alljährlichen Parties mit Live Rockabilly Bands sind legendär. Aber erstmal geht’s ab Mittwoch zum US Car-Treffen nach Pullman City. "Ich freu´ mich schon drauf. Dann schwelge ich wieder in der Nostalgie", sagt Franz.