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22. Juli 2015"Es geht um Freiheit, Trucks und Liebe"

Hüte sind im Berufs- und Familienalltag ja nicht gerade in Mode. In der Westernszene ist das gänzlich anders: Wer Mitte Juli beim 4. Internationalen Country Music Festival in Pullman City/Eging am See. keinen Cowboyhut trug, fiel schon fast auf. Dementsprechend authentisch gekleidet kamen auch Nina Missum (18) und Thomas Promesberger (20) aus dem Allgäu in die Westernstadt, zusammen mit ihren zehn Freunden von der Linedance-Gruppe „Green Hill Billies“. „Lässig, einzigartig, saugeil“ - so beschreibt das junge Pärchen die Country Szene. Cowboyfeeling, Pferde, Lagerfeuer, das Zusammengehörigkeitsgefühl und vor allem die Musik – das ist genau ihr Ding. Kein Wunder, dass sie begeistert waren vom Country Music Festival vom 16. bis 19. Juli. In der großen Showarena, in Music Hall, Mainstreet und bei der Hudson Bay spielten insgesamt 28 Live Acts, von ruhig bis rockig waren alle Nuancen vertreten, und fast überall gab es Platz zum Tanzen.

Country Music Festival – Country Bands & Live Musik nonstop

Zu den Highlights zählte unter anderem das „Greyhound Doctors Trio“, das als Lokalmatador ein rein akkustisches Konzert spielte sowie mit Songs von US-Countrysänger Steve Earle und eigenen Liedern überraschte. Schönen, vollen Countrysound brachten „Rascal & McLane XL“auf die Bühne. „Franz Lippert sorgte mit tiefer Stimme und Band für einen Schuss Rock, spielte aber auch Lieder von Eric Clapton. War es am Freitagbend ohnehin sommerlich warm, heizten „White Hat“ aus Litauen in der Music Hall erst recht nochmal ein, bevor der Abend im lauschigen Hudson Bay-Biergarten geruhsam ausklang mit „Marketa & Steve C.“ Johnny Cash und Dolly Parton interpretierten die „Crown Jewels“ am Samstagvormittag in ihrem eigenen Stil. Nachmittags sorgten „Amarillo“ in der Mainstreet für Honky Tonk pur – da hielt es die Linedancer nicht mehr auf den Bänken. „Backus und Cole“ nutzten die intime Hudson Bay-Atmosphäre für ein stimmungsvolles Konzert mit vielen kleinen Anekdoten. „Ann Doka & Band“ rockten indes die Showarena, bevor die „Jason Lee McKinney Band“ aus den USA die Country-Herzen höher schlagen ließ.

„Country Music ist so spannend, weil sie abseits der Schlager unheimlich viele Facetten hat. Man spielt Rock, Jazz und Bluegrass in einem Set, ohne dass es jemanden stört“, erklärte Jürgen Hoffmann, der sowohl bei „Amarillo“ also auch bei „Mountarillo“ und „Racal & McLane“ Gitarre, Table Steel und Dobro spielte und seine Instrumente auf einem Wägelchen von einem Auftritt zum nächsten zog.

So vielfältig wie die Musik war auch das Publikum, darunter vier schneidige Mannsbilder aus Wels in Österreich: „Wir mögen Musik und trinken gern Bier, deswegen sind wir mehrmals im Jahr hier“, sagten Wortführer Heinz (72), Plattensammler Bruno (73), Chauffeur und Nesthäkchen Helmut (69) sowie „Mitläufer“ Günther (76), die zuletzt beim Rockabilly Rumble Band Contest in Pullman City waren.

Zum ersten Mal zu Gast waren Kerstin (45) und Lothar (52) aus Erlangen. „Wir hatten gedacht, die Westernstadt sei nur was für Kinder. Aber es ist alles größer und authentischer als erwartet“, sagten die Amerika-Fans. Erst vor Kurzem waren sie in den Südstaaten unterwegs und besichtigten in Fort Worth bei Dallas die „Stockyards“, wo früher die Rinder verladen wurden. „Dort sieht es fast genau so aus wie hier in der Mainstreet“, berichtete Lothar. Und was mögen sie so gern an Country Musik? „Sie passt zum Land. In den Texten geht es um Freiheit, Liebe, Whiskey, Autos und Pick Up Trucks“, erklärte Kerstin.